Der regionale Arbeitsmarkt in den Ingenieurberufen

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. und der Verein Deutscher Ingenieure e.V. informieren

Eine positive Geschäftslage und optimistische Geschäftserwartungen der Unternehmen sowie ein großer Bedarf im öffentlichen Dienst sorgen auch im vierten Quartal 2017 für eine hohe Arbeitskräftenachfrage und eine niedrige Arbeitslosigkeit auf dem Ingenieurarbeitsmarkt. wischen Oktober und Dezember 2017 waren monatsdurchschnittlich 81.080 offene Stellen zu besetzen. Damit konnte das gesamtwirtschaftliche Stellenangebot in den Ingenieurberufen verglichen zum Vorjahresquartal um 15,5 Prozent zulegen. Gleichzeitig ist das Arbeitskräfteangebot in Form von Arbeitslosen, die in einem Ingenieurberuf eine Beschäftigung suchen, mit monatsdurchschnittlich 24.089 Personen auf einen neuerlichen Tiefstand seit Beginn der Aufzeichnungen in der KldB 2010 gesunken. Treiber dieser Entwicklung ist die anhaltend hohe Nachfrage nach Ingenieuren in den Bereichen Bau, Vermessung und Gebäudetechnik, Architekten wie auch in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik sowie in der Energie- und Elektrotechnik.

Die gegenläufigen Entwicklungen auf der Arbeitskräfteangebots- und  nachfrageseite verstärken die bereits vorhandenen Engpässe nochmals deutlich. Im vierten Quartal 2017 entfielen in den Ingenieurberufen auf 100 Arbeitslose bundesweit 337 offene Stellen. Damit nähert sich die Engpassrelation dem Höchststand seit Beginn der Aufzeichnungen in der KldB 2010 weiter an. Besonders gravierend gestaltet sich die Situation in der baden-württembergischen Energie- und Elektrotechnik sowie in der bayerischen Maschinen- und Fahrzeugtechnik, in denen die Engpassrelationen Werte von 800 offenen Stellen je 100 Arbeitslosen überschritten haben. Aber auch im Baubereich, der mit einer bundesweiten Engpassrelation von 501 den stärksten Engpass aufweist, zeigen sich in einigen Regionen Engpasskennziffern von über 600.

Im Regionalvergleich stehen die Arbeitsmarktregionen vor unterschiedlichen Herausforderungen. Allen voran im Süden Deutschlands dürften die äußerst positiven Geschäftserwartungen die Arbeitskräftenachfrage auch in den kommenden Monaten weiter in die Höhe treiben und somit für eine weiterhin angespannte Lage auf dem Ingenieurarbeitsmarkt sorgen. In einigen ostdeutschen Regionen zeigt sich eine besonders starke Dynamik bei der Entwicklung der Engpassrelation. Zurückzuführen ist dies auch auf die zunehmenden Schwierigkeiten für ostdeutsche Arbeitgeber, geeignetes Personal zu finden. Ergebnisse einer Mittelstandsbefragung bestätigen dieses Bild, welches verdeutlicht, dass die Sorge vor dem Fachkräfteengpass in Ostdeutschland nochmals stärker vorhanden ist als im Bundesdurchschnitt. die Bewältigung aktueller und künftiger IT- und Digitalisierungsprojekte, von der Gestaltung von Smart Homes über die Mobilität 4.0 bis hin zur Energiewende, ist der deutsche Arbeitsmarkt auf Experten, insbesondere auch aus dem Ingenieurbereich, angewiesen. Dies ist gerade vor dem Hintergrund des internationalen Wettbewerbs von zentraler Bedeutung, will Deutschland beim Thema Digitalisierung nicht den Anschluss verlieren. Auch im Baubereich ist weiterhin mit einer angespannten Lage zu rechnen, wenngleich die Geschäftserwartungen der Branche leicht gedämpft ausfallen. Dem Thema Fachkräftesicherung in den Ingenieurberufen kommt damit zunehmend eine prioritäre Bedeutung zu.
Blickpunkt Arbeitsmarkt Ingenieurinnen und Ingenieure als PDF

Mit freundlicher Genehmigung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V. und dem Verein Deutscher Ingenieure e.V.

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Ingenieurinnen und Ingenieure in Deutschland

Die Bundesagentur für Arbeit informiert

Die nachfolgende Broschüre der Bundesagentur für Arbeit betrachtet die ingenieurtechnischen Tätigkeitsfelder Maschinen- und Fahrzeugtechnik Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik technische Forschung, Entwicklung, Konstruktion und Produktion.

Ingenieure fanden auch 2017 einen ausgesprochen guten Arbeitsmarkt vor. Die Zahl der gemeldeten Stellen überstieg die des Vorjahres; das Nachfragehoch der Jahre 2011 bis 2013 wurde aber nicht mehr erreicht. Die Zahl der Beschäftigten ist 2017 weiter gewachsen. Gleichzeitig nahm die Zahl der Arbeitslosen, die eine Tätigkeit als Ingenieur anstrebten, trotz wachsender Absolventenzahlen ab. Nach wie vor fällt sie so gering aus, dass man von Vollbeschäftigung sprechen kann. Besetzungsprobleme waren 2017 seltener zu beobachten als in den Vorjahren. Steigende Absolventenzahlen haben dazu geführt, dass z.B. im Maschinenbau und der Elektrotechnik nach Daten und Berechnung der Bundesagentur für Arbeit kein Fachkräftemangel mehr erkennbar ist. Die stark gewachsenen Studierendenzahlen dürften das Fachkräftepotential weiter steigen lassen und zur Bewältigung des anstehenden Generationenwechsels beitragen.

Zahl erwerbstätiger Ingenieurfachkräfte deutlich gestiegen
Rund 1,08 Millionen Erwerbstätige verfügten 2016 nach An- gaben des Statistischen Bundesamtes über einen Studienabschluss als Ingenieur in den hier betrachteten Tätigkeitsfeldern. In den letzten Jahren ist die Zahl der Erwerbstätigen deutlich gestiegen – im Vergleich zum Jahr 2007 um rund 211.000 oder knapp ein Viertel.

Die Zahl der als Ingenieur Arbeitenden liegt allerdings deutlich unter einer Million, da nicht jeder, der einmal ein Ingenieurstudium abgeschlossen hat, diesen Beruf aktuell ausübt: Der Mikrozensus ermittelte rund 799.000 Erwerbstätige, die als Experten in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik, der Mechatronik , Energie- und Elektrotechnik oder der Forschung, Entwicklung, Konstruktion oder Produktion tätig waren.
Der Großteil befand sich in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis. Nur fünf Prozent waren als Selbständige tätig.
Für die größte Teilgruppe der abhängig Beschäftigten – nämlich Beschäftigte, die in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis stehen – liegen differenzierte Daten aus der Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit bereits für das Jahr 2017 vor. Danach waren 2017 insgesamt rund 599.000 Ingenieurfachkräfte sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das war ein Anstieg von drei Prozent gegen- über dem Vorjahr, nachdem es bereits 2014 bis 2016 jeweils einen Zuwachs von drei bis vier Prozent gegeben hatte. Auch in den Jahren davor gab es Beschäftigungsgewinne.

Allerdings ist es nicht möglich, diese zu beziffern, da aufgrund der Umstellung auf die neue Klassifikation der Berufe genaue Vergleiche mit Jahren vor 2013 nicht möglich sind.

Überdurchschnittliche Vakanzzeiten
Selbst in der Wirtschaftskrise 2009 und erst recht in den folgenden Jahren mit guter wirtschaftlicher Lage war und ist der Ingenieurarbeitsmarkt von der Diskussion um den Fachkräftemangel geprägt. Offene Stellen signalisieren für sich allein aber noch keinen Fachkräftemangel. Als guter Gradmesser für Schwierigkeiten bei der Suche nach Fachkräften kann die Zeit herangezogen werden, die ein Unternehmen benötigt, um einen freien Arbeitsplatz zu besetzen. Ist diese Vakanzzeit3 auffällig lang, könnte dies ein Anzeichen dafür sein, dass Unternehmen Probleme haben, in angemessener Zeit geeignete Fachkräfte zu finden, also dass entsprechende Fachkräfte fehlen. In vielen Ingenieurfachrichtungen zeigen sich überdurchschnittliche Vakanzzeiten. Während 2017 die durchschnittliche Vakanzzeit von gemeldeten Stellen über alle Berufe4 103 Tage betrug, waren Stellenangebote für Ingenieure im Schnitt bis zu 126 Tage vakant. Im Vergleich zu Jahren 2012 und 2013 scheint sich die Lage aber etwas entspannt zu ha- ben. Damals wurden Vakanzzeiten bis hin zu 152 Tagen in der Technischen Forschung und Entwicklung verzeichnet. Seitdem sind die Vakanzzeiten bei gemeldeten Stellen für Ingenieure tendenziell gesunken, während gleichzeitig die Vakanzzeiten berufsübergreifend angestiegen sind (Abbildung 2). Am zügigsten gelang 2017 die Stellenbesetzung im Tätigkeitsfeld Produktionsplanung und -steuerung. Zeitlich aufwändiger gestaltete sich dagegen die Personalsuche, wenn Ingenieure für Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik, für Maschinen- und Fahrzeugtechnik oder Forschungs- und Entwicklungsaufgaben gefragt waren.
Broschüre der Bundesagentur für Arbeit "Ingenieurinnen und Ingenieure" als PDF

Mit freundlicher Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit
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